Ein anderer machts, oder: „hier werden Sie geholfen“ (@Poth) !?!


Ein anderer machts, oder: „hier werden Sie geholfen“ (@Poth) !?!

Die Freude hält sich bedeckt in diesen Tagen. Geht es ihnen auch so? Welche Mittel wenden Sie an, um dennoch offen, freundlich und mitfühlend zu bleiben? Wie schaffen Sie es, der Komplexität von Wissen, Haltungen und Emotionen gerecht zu sein?

Einerseits erlebe ich auf Plattformen, die ich überwiegend schätze, weil ich Entwicklungen von verbundenen Menschen und deren Projekten folgen kann und aus einer Vielzahl von Anregungen schöpfe, Irritierendes. Seit gut eineinhalb Jahren verkommen diese zu Werbe- und Esoterikfenstern: Rasche „Heilung“ wird durch Buchung von Seminaren, Coachings, Software, Beratung etc. versprochen. Also: „Deus ex machina“: „ein anderer machts“.

Funktioniert das? Kaum.

Andererseits erlebe ich in meinem Beratungsumfeld die gegensätzlichsten Wahrnehmungen zwischen Ohnmacht und Glück:

Jene, die von der natürlichen Verlangsamung der Arbeitswelt und Rückkehr zur ersehnten Entstressung sprechen und jenen, die genau darunter leiden: Unter fehlenden Services, Antworten, Unterstützungen und unter, wie manche meiner Coachees sagen, fehlenden Motivation der Mitarbeiter, zu Lösungen beizutragen.

Ach, und das ist nicht nur ein beruflicher Aspekt. Viele Eltern wissen davon zu berichten.

Es ist, als ob wir einen Karren schleppen, voll mit erschöpften, sich hingebenden Menschen. Und das soll sich nach einem kurzen Training, durch eine Software, durch „Change“ ändern?

Die Lösung liegt im ersten Schritt und dieser liegt an uns! 

Ein anderer Werbetext hilft aus der Patsche: „Es ist einfach!“ – und es liegt an uns selbst. Ich höre die Antwort Vieler: „Warum immer ich?“ Nun: Sie können sich auch entschließen, sich einzureihen in die Menge der Resignierer, Aufgeber, Zulasser, Sich-als-Opfer-Fühlender.

Oder aber: Sie ergreifen die Chance, zu lernen, zu entwickeln, zu begeistern und Menschen mitzunehmen auf Ihre Reise.

Okay: es ist nicht leicht, sich und andere zu bewegen.
Wie es gelingen kann?

Stellen Sie unorthodoxe, freundlich provokante Fragen, brechen Sie bestehende Komfortzonen-Muster. Und holen Sie die Menschen, die sich Antworten und Anweisungen erwarten, ab, ohne Lösungen aufzuzeigen. Hier eine Auswahl:

Worüber sprechen wir jetzt?

Haben wir alle ein Verständnis für die Bedeutung, die Definition dessen, worüber wir sprechen?
Was könnte eine gute Lösung sein? Und bitte: lassen Sie den Vorsatz, eine Strategie für die nächsten Jahre aufzustellen – die Pandemie und die nachfolgende Neustrukturierung werden die Umsetzung vermasseln. Bleiben Sie bei vereinbarten Zukunftsbildern und arbeiten Sie sich mit den Mitarbeitern dahin vor – in überschaubaren, meßbaren, systemisch klaren Schritten. „Sprint“ sagt die Scrum-Community dazu.

Welche Ressourcen, Erfahrungen, Einstellungen, Mittel sind vorhanden, welche werden gebraucht?

Wo setzt Entwicklung an?

Und nicht zu vergessen: Was ist bisher gelungen, was wurde erfolgreich verhindert, was gefördert?

Was gilt es loszulassen auf der Reise?

Das optimale Ergebnis ist eine neue Klarheit, ohne gleichzeitig hilfreiche Köpfe und unterschiedliche Meinungen zu übersehen.

Fürs Erste hat jeder aus seiner Perspektive einmal Recht. Mit ein wenig Offenheit kann eine Annäherung derselben gelingen.

Viel Erfolg!

 

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Literatur: Watzlawick, P./Beavin, J./Jackson D. (2007) Menschliche Kommunikation, 11. Auflage, Bern, Huber
Luhmann, N: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Surkamp 1987