Nach dem Sturm…

Post After the storm

Nach dem Sturm…

Reflexionen für nach dem Sturm

Es ist was es ist. Fakt. Die ersten Tage nach der Disruption, genannt Pandemie, sind überstanden. Erste wesentliche Maßnahmen eingeleitet, Krisenkommunikation betrieben, Ängste und daraus resultierende Aggressionen abgefangen, und jetzt?

Haben wir aus dem emotionalen, ökonomischen und organisatorischen Crash gelernt?

Haben wir die Menschen erkannt, die über sich hinausgewachsen, eigene Ängste überwunden, die kraftvoll und sensibel zugleich Verantwortung genommen haben für sich und andere?

Haben wir gelernt, trotz realer Distanz emotional nahe zu bleiben, gelernt, dass es weitergeht – auch wen wir nicht unbedingt wissen, wie es weitergeht? Und wohin?

Führen in der Unsicherheit

..ist mehr eine Frage der Haltung als das Beherrschen von Technologien. Die sind ohnedies bereits in unserem Alltag eingetroffen. Der Umgang mit Unwägbarkeiten in allen Lebens- und Arbeitsbereichen braucht noch etwas Übung – vor allem dort, wo Arbeit und Privates auch für Führungskräfte bisher eine wohlig kontrollierbare Gewohnheit waren.

Wie jetzt?! Bisherige Erfahrungen sollen uns beruhigen und erinnern, dass nach dem Krisenmodus wieder Alltag einkehrt, die Infektionen abklingen und wir die Tage der Starre, des dann hektischen Agierens, Stabilisierens, Re-Strukturierens wieder vergessen werden. Irgendwann. Wird es diesmal auch so sein? Ich glaube nicht. Wir sind angehalten zu lernen, zu reflektieren, und auf ganz und gar Neues einzustellen. Schnell. Zu tief sitzen diesmal die Erfahrungen.

Es betrifft nicht Einzelne von uns, sondern uns alle. Ich durfte während der vergangenen Tage viele gute Gespräche mit meinen Kunden führen und durch die erste Phase von Veränderung begleiten.

Das Krisenmanagement.

Luft holen, anvertraute Mitarbeiter mit all deren Ängsten und Widerständen abholen, Vertrauen in das gemeinsame Bewältigen der Situation vermitteln. Arbeit strukturieren, Arbeit von zuhause, in teilweise leeren Büros und in begegnungsstarken Zonen neu ausrichten, Schutzmechanismen für alle in Gang setzen, Regeln vorgeben, und immer wieder Haltung zeigen.

Was Wichtiges gibt es zu bedenken, hygienisch, rechtlich, vertraglich, sozial, und immer wieder klar zu kommunizieren? Wie kann Logistik und Kommunikation anders als bisher organisiert werden, wie anders miteinander ausgetauscht, wie zu gemeinsamen Handeln gefunden werden?

Wer hat in diesen Tag Leadership gezeigt? Hat den Mitarbeitern Kraft im Nichtwissen und Mitgefühl für deren Ausnahmesituationen vermittelt? Wer hat zugehört, hat Möglichkeiten und Initiativen dankbar angenommen? Wer ist emotional (halbwegs) stabil geblieben?

Das Management der Gewöhnung: Boden für das Jetzt und Saat für das Morgen.

Der Ausnahmezustand wird tägliche Routine. Es gilt nun nicht nachzulassen, zu beobachten, zu reflektieren, zu lernen und vor allem zu führen. Dürfen sich Mitarbeiter an den Status gewöhnen, haben sie sich abgefunden mit dem neuen Rhythmus, mit äußerer Immobilität, inneren Sorgen, dem veränderten Tagesablauf, mit Restriktionen. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich neu auszurichten?

Ja, genau. Aber wohin führen und wie? Spannende, hoch reflektierte Gespräche mit meinen „Kunden“, meiner kleinen, verschworenen Gemeinschaft, schaffen den Boden für das Jetzt und die Saat für das Morgen.

Trotz räumlicher Trennung – für uns in der Toccaverde mit internationalen Aufträgen und täglicher „remote work“ gebräuchlich effizient – rücken wir uns näher. Virtuos werden Skype-Konferenzen gemanagt, Regeln aufgestellt, Ergebnisse dokumentiert.

Jetzt formen sich die Schicksalsgemeinschaften, die später zu neuartigen Teams werde – und das über Erfahrungen hinaus, die IT-Worker bereits heute vorweisen. Jetzt ergeben sich natürliche gemeinsame Aufgaben, Ausrichtungen und jene Effekte, für die man früher gemeinsame Heurigentouren (für Nicht-Wiener: after work parties) und Klettergarten bemühen musste.

Jetzt keimen erste Reflexionen ohne Nostalgie – dafür sind wir viel zu sehr mit dem Jetzt beschäftigt. Die neuen Behelfs-Routinen zeigen die Qualitäten der Einzelnen. Die neue Form der Kommunikation und Dokumentation gibt uns eine neue Sicherheit aus dem Gefühl, noch immer steuern zu können. Welche Erfahrungen betreffend den eigenen Führungsstil, die Zusammensetzung und Qualitäten der anvertrauten Mitarbeiter können wir daraus ziehen, wie für die Zukunft nutzen? Spannende Erkenntnisse über adaptiertes Führungsverhalten im remote Zustand springen in ein neues Selbstverständnis für Wichtiges, Prioritäten, Sinnloses, Sinnvolles, in neue Bedarfe.

Das Management des zukünftig Neuen: Freundschaft schließen mit der Gewissheit des Nichtwissens

Was gilt noch in Zukunft, die uns die – meist selbsternannten – Experten über alle Kanäle wissen lassen? Worauf können wir uns verlassen, worauf nicht? Systemisch orientierte Führungskräfte richten sich bereits heute in der Ungewissheit des Morgens ein.

Ein wesentlicher Haltungswechsel greift auch bei linear prozessorientierten Managern:

  • Kontrolle und Mikromanagement sind für selbst rosigste Aussichten unbrauchbare Instrumente. Das Eingeständnis von partiellem Nichtwissen macht offen für neue, notwendige Ausrichtungen.
  • Vertrauen ist angesagt – Vertrauen in sich selbst und in das Wissen und die Potentiale der anderen.
  • Eine neue klare Kommunikation hilft, gemeinsames Verständnis Unternehmensziele, für den Einsatz neuer Führungstechniken und Technologien zu schaffen
  • Milestones weichen einer gemeinsamen Vision eines erstrebenswerten Ergebnisses…

 

Wir in der Toccaverde erfahren vor allem in unseren remote Workshops bereits heute, wie beruhigend es sein kann, trotz täglichem Management der Ausnahmesituation in eine kleine Auszeit zu gehen und in die Zukunft zu denken: ein Licht am Ende des Tunnels brauchen wir alle.

Ein Ausblick gibt zumindest Gewissheit, dass es auch nach Disruptionen weiter geht. Die Zukunft beginnt im Augenblick. Eigentlich doch alles beim Alten? Oder? Schreiben Sie uns Ihre Gedanken dazu. Und wenn Sie mögen, wir sind für Sie im remote Coaching oder Moderation von Meetings und Workshops da: info@toccaverde.com oder barbara.schutze@toccaverde.com

Auf bald also, Ihre Barbara Schütze